Zugfahren in Thailand – ein Erlebnisbericht

Zugfahren in Thailand ist eine der komfortabelsten Reisemöglichkeiten in Thailand und Malaysia, besonders auf langen Strecken über Nacht. Komfortabel ja, aber…

Nach über drei Wochen Thailand, Sonne, Strand und Palmen packte ich meinen Rucksack, genoss vormittags noch das Rauschen des Meeres auf Koh Tao und fuhr schließlich mittags um halb zwei mit dem Taxi von Chalok Ban Kao zum Songserm Fähranleger in Mae Had. Die Fähre von Ko Tao nach Chumphon sollte nachmittags um halb drei ablegen. Mit einer Stunde Verspätung ging es schließlich schaukelnd über das Meer in drei Stunden zurück ans Festland.

Dort angekommen wurden alle Passagiere entsprechend der vorher verteilten bunten Aufkleber, die jeder am Shirt tragen musste, aufgeteilt für die gebuchte Weiterreise mit dem Bus oder dem Zug. Ich war in der grünen Zuggruppe und sollte mit vielen anderen Passagieren auf einen Bus warten, der uns zum Bahnhof bringen sollte. Der Bus war schon da und gab sich als solcher zu erkennen, als der Fahrer uns lauthals aufforderte unser Gepäck aufs Dach des Gefährts zu befördern. Das Gefährt als solches (als Bus konnte man es wahrlich nicht bezeichnen) war eigentlich ein übergroßes TukTuk mit vier Reifen. In Deutschland wäre es vermutlich für maximal 20 Personen ohne Gepäck zugelassen. Man saß auf zwei Holzbänken längs der Ladefläche und in der Mitte war ein weiterer Balken, auf dem sich die Leute zusammenquetschen mussten. Mit gut 30 Leuten und ebenso vielen Gepäckstücken bretterte der Fahrer also los in Richtung Bahnhof. Dass die Reifen nicht platzten grenzte an ein Wunder. Aber wer schon mal in Asien war weiß, das so etwas erstaunlicherweise funktioniert.

Langes Warten am Bahnhof

Gegen halb acht Abends erreichten wir den Bahnhof, der aus einem Gleis und einigen Händlern bestand. Ich vergewisserte mich, ob mein Zug auch tatsächlich um 22 Uhr abfahren sollte und ging in ein naheliegendes Restaurant, um mich für die lange Fahrt zu stärken – das war eine wohl weise Vorausschau.

Als ich wieder zurück am Bahnhof war hieß es warten. Von den wenigen anderen Touristen, die alle auf den Zug nach Bangkok warteten, hörte ich, dass deren Züge alle Verspätung haben sollten. Gegen 22 Uhr – der eigentlichen Abfahrtszeit – fragte ich mal nach, wann denn mein Zug kommen solle. Plötzlich hieß es, „sorry, is late, two hours“. Also musste ich weiter warten.

In der Zwischenzeit kamen immer wieder Züge, die Händler gingen mit ihren Körben und Platten voll Essen und Getränken durch die Züge und boten lauthals ihre Waren an. Und es wurde immer leerer auf dem Bahnhof. Irgendwann waren mehr Hunde als Menschen dort. Als es immer später wurde, fragte ich wieder und wieder nach der Ankunftszeit meines Zuges. Das Bahnhofspersonal kannte mich schon und winkte bei jedem einfahrenden Zug ab. Um 1:30 Uhr nachts, nach dreieinhalb Stunden Verspätung, kam er dann endlich: Mein Nachtzug Nr. 35 nach Butterworth in Malaysia.

Bahnhof

Zugfahren in Thailand – es geht los!

Ich hatte ein Bett in der 2ten Klasse gebucht. Alle Fahrgäste hatten schon ihre Vorhänge zugezogen und schliefen. Ich verstaute mein Gepäck, in der Zwischenzeit wurde mein Bett frisch mit Laken, Kissen und Decke bezogen und so konnte ich schließlich in mein Bett klettern, den Vorhang zuziehen und endlich schlafen.

Thailand Zug

Thailand Nachtzug

Morgens um sechs wurde es langsam unruhig im Zug, aber da das Bett echt gemütlich war, blieb ich liegen, bis der Zug mit vier Stunden Verspätung gegen halb elf die Grenze Pedang Besar von Thailand nach Malaysia erreichte. Mit dem gesamten Gepäck stiegen alle Fahrgäste aus und ich fragte, ob wir nach der Passkontrolle wieder in den Zug einsteigen sollten. Die Antwort war: „No, train is delayed, we have bus for you to Butterworth“. Ich also durch die Passkontrolle – Ausreisestempel aus Thailand in den Pass, Einreisestempel nach Malaysia abgeholt und ab in den wartenden Bus. Außer einer Handvoll weiterer Touristen und einer thailändischen Rugbymannschaft war keiner mehr da. Um kurz vor Zwölf mittags ging es los nach Butterworth.

Nach weiteren vier Stunden kamen wir in Butterworth an und ich eilte gleich weiter zum Busbahnhof, der nur wenige Meter entfernt war, um gleich noch weiter nach Kuala Lumpur zu kommen. Ich bekam ein Busticket für 16:30 Uhr und sollte am Bussteig 7 warten. Um kurz nach halb fünf kam ein sehr alt aussehender Bus an den Bussteig gerollt – das sollte er wohl sein. Platz genug war, aber eben sehr alt und schäbig. Normalerweise läuft bei den wartenden Bussen immer der Motor, damit man in angenehmer Klimaanlagenkälte warten kann. Hier lief gar nichts und es wurde immer heißer. Der Fahrer versuchte alle paar Minuten den Motor zu starten, dieser ging aber nach wenigen Sekunden wieder aus. Es wurde immer später und ich hatte schließlich noch fünf Stunden Fahrt vor mir (und bereits über 24 Stunden hinter mir). Also ging ich raus und sah wie fünf Malaien am Bus rumschraubten und reparierten. Das reichte… ich fragte, ob denn auch ein nicht defekter Bus nach Kuala Lumpur ginge. Man deutete mir, ich solle warten. Nach eindringlicherem Fragen und meckern auf Deutsch winkte mich plötzlich ein anderer Malaie zu einem nagelneuen, bequemen Bus, der um halb sechs nach Kuala Lumpur starten sollte. Die anderen Fahrgäste aus dem alten Bus wurden kurz vor meiner Abfahrt in einen noch älteren Bus umgesetzt – aber ich konnte nun gemütlich die Weiterfahrt genießen.
Um 22:30 Uhr erreichte ich endlich Kuala Lumpur. Da die Busstation Puduraya wegen Renovierung geschlossen war, musste ich vom Busbahnhof noch mit der MRT (Zug) eine halbe Stunde in die Stadt fahren. Endlich erreichte ich nach über 33 Stunden um kurz vor Mitternacht mein Hostel und ließ mich nach einer ausgiebigen Dusche erschöpft ins Bett fallen.

Fazit: Rechnet man alle Verspätungen, unerwartetes Umsteigen etc. ab, ist die Fahrt mit dem Zug durch Thailand sehr angenehm. Auch das Busfahren in Malaysia und Thailand ist komfortabel und günstig. Aber man sollte viel Zeit mitbringen und sich auf außerplanmäßige Vorkommnisse einstellen!

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